27/10/2016

Gerade im Bereich der Landwirtschaft gilt: Je mehr Macht die Konzerne haben, umso schlechter geht es den Bauern und Bäuerinnen



Hallo Manfred Paukstadt,

„there is no alternative“ („Es gibt keine Alternative“) diktierte einst die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher der Öffentlichkeit. Der Markt würde und solle alles richten, meinte sie damit – und schuf einen politischen Schlachtruf, der als „TINA-Prinzip“ zu einem Klassiker der neoliberalen Heilslehre avancierte.
Auch die wachsende Bedeutung der global tätigen Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne wird uns gerne als alternativlos verkauft. Unsinn! Gerade im Bereich der Landwirtschaft gilt: Je mehr Macht die Konzerne haben, umso schlechter geht es den Bauern und Bäuerinnen – und auch den VerbraucherInnen. Weltweit. Vor allem aber bestehen überzeugende Gegenkonzepte, um eine Landwirtschaft mit Zukunft zu entwickeln.
Den Handlungsrahmen dafür bietet das Konzept der Ernährungssouveränität. Es zielt auf eine radikale Demokratisierung des Ernährungssystems: für das Recht von Ländern, Regionen und Menschen ihre Landwirtschafts- und Ernährungspolitik selbst zu bestimmen. Als ErzeugerInnen genauso wie als VerbraucherInnen.
Viel Spaß beim Lesen über souveräne Ernährung, gelebte Alternativen und Widerstand gegen "TINA" und über die Erfahrungen unserer Projektpartner in Mosambik und El Salvador!
Herzliche Grüße
Ihr INKOTA-Team

Südlink 177: Ernährungssouveränität

Für eine Landwirtschaft mit Zukunft

Egal ob im globalen Norden oder im globalen Süden: Es ist höchste Zeit für eine umfassende Agrarwende.

Ernährungssouveränität zielt auf eine radikale Demokratisierung des Ernährungssystems und setzt auf kontrollierbare Strukturen und politische Teilhabe – der ErzeugerInnen genauso wie der VerbraucherInnen. Im Großen wie im Kleinen. Ganzer Länder also, die sich zum Beispiel gegen transnationale Saatgutkonzerne wie Monsanto zur Wehr und auf einheimisches Saatgut setzen. Und einzelner Bauern und Bäuerinnen, die selbst entscheiden, welche Nahrungsmittel sie anbauen und ob sie diese vermarkten oder vor allem für den Eigenverbrauch nutzen möchten.

In dieser Südlink-Ausgabe finden Sie Beispiele für die Vorteile des Konzepts der Ernährungssouveränität gegenüber der vorherrschenden kapitalintensiven agroindustriellen Produktionsweise.

Projekte: Saatgut für Ernährungssouveränität in Mosambik

Seit gut einem Jahr arbeitet INKOTA mit dem Kleinbauernverband UNAC im Distrikt Alto Molucue im Norden Mosambiks zum Thema Saatgut – Zeit für eine kurze Zwischenbilanz.
UNAC kämpft für Saatgutsouveränität der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in Mosambik. „Wir setzen uns für den Erhalt und die Reproduktion von lokalen Sorten ein“, sagt Projektkoordinator Bartolomeu Antonio. Auch Flor Antonia Soarez, eine Bäuerin aus dem Projektgebiet, findet, dass die lokalen Sorten viele Vorteile haben: „Unser Maniok hält länger und verdirbt nicht so schnell. Das bedeutet, dass es weniger Hunger gibt und alle satt werden."

Interview: "Das passt Monsanto überhaupt nicht"

Víctor Sánchez vom INKOTA-Partner Procomes aus El Salvador über die wichtigsten Ziele einer alternativen Agrarpolitik in seinem Land: „Die zentrale Herausforderung in El Salvador ist, wieder eigenes Saatgut herzustellen und nicht mehr von Monsanto abhängig zu sein. 2008 kaufte Monsanto das größte zentralamerikanische Saatgutunternehmen Semillas Cristiani Burkard, das in El Salvador fast ein Monopol auf Saatgut hatte.“
Hoffnung gibt ihm, dass inzwischen wieder rund 70 Prozent des Saatguts von einheimischen Bauern und Bäuerinnen oder Kooperativen hergestellt werden. Doch er sieht, dass noch viel zu tun ist.

Landwirtschaft, es geht auch zukunftsfähig!

Wir zeigen Monsanto, Bayer & Co., dass es erfolgreich erprobte Alternativen zur agroindustriellen Landwirtschaft gibt. Agrarökologie steht im Fokus unserer 32-seitigen Broschüre zur globalen Ernährungswende.

Die Broschüre Besser anders, anders besser: Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten informiert über praxiserprobte Alternativen, in denen großes Potenzial steckt. Im Fokus stehen Beispiele agrarökologischer Anbaumethoden, innovativer Vermarktungswege und Initiativen zur politischen Mitgestaltung des Ernährungssystems.

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Bericht: Info-Tour Ernährungssouveränität und Agrarökologie

Im September und Oktober waren Jaqueline Chenier aus Honduras und Víctor Sánchez aus El Salvador auf Einladung von INKOTA auf einer Rundreise in Deutschland. Bei einer Reihe von Veranstaltungen berichteten sie von ihrer Arbeit zur Förderung von Ernährungssouveränität und Agrarökologie in Mittelamerika. Austausch und Vernetzung mit AktivistInnen und Interessierten in Berlin, Köln, Hamburg und im Land Brandenburg stand ebenso auf dem Programm wie ein Treffen mit PolitikerInnen aus dem Bundestag.

24 gute Taten Adventskalender

Das Prinzip des Kalenders ist kinderleicht: Täglich wird eines der 24 Türchen geöffnet. Hinter jedem verbirgt sich ein Projekt, das mit dem Erwerb jedes einzelnen Kalenders unterstützt wird. Beispiele aus den letzten Jahren waren ein Krankentransport für zwei DorfbewohnerInnen in Bangladesch oder eine ausgewogene Schulmahlzeit für ein Kind in Uganda.
Zum zweiten Mal in Folge ist ein Projekt einer INKOTA-Partnerorganisation als eine von 24 ausgewählten Organisationen im 24guteTaten Adventskalender vertreten. Wer also schon mal für Kinder, Enkel, FreundInnen oder PartnerIn statt Schokoladen-Kalender etwas Sinnvolles  besorgen möchte, sollte zugreifen.

Zeugen-Reise: Arbeitsrechtsverletzungen in der indischen Leder- und Schuhindustrie

Über die Bedingungen in den Zulieferfabriken europäischer Markenunternehmen und die Missstände in der indischen Leder- und Schuhindustrie berichten Salman Ansari, Arbeiter in der indischen Schuh- und Lederindustrie und Avantee Bansal, Soziologin und aktiv in der Society for Labour and Development. Beide sind auf Einladung der Kampagne Change Your Shoes im November in Deutschland unterwegs: am 7. November in Berlin und am 10. November in Dortmund.

Studie: Katastrophale Bedingungen in indischer Schuh- und Lederproduktion

Löhne weit unter dem Existenzniveau, gravierende Mängel in Sachen Gesundheitsschutz und Sicherheit, Verbot von Gewerkschaften sowie Diskriminierung und Ausbeutung aufgrund traditioneller Geschlechter- und Kastennormen – die Arbeitsbedingungen in der indischen Schuh- und Lederproduktion sind katastrophal.

SÜDWIND und INKOTA haben die Change Your Shoes-Studie „Auf der Stelle (ge)treten. Arbeitsrechtsverletzungen in der indischen Leder- und Schuhindustrie“ veröffentlicht. Darin berichten Arbeiterinnen und Arbeiter aus Fabriken in Nord- und Südindien unter anderem von Gelenkkrankheiten, Vergiftungen, Tumoren. Die ArbeiterInnen in Indiens Schuh- und Lederindustrie sind internationalen Marktschwankungen sowie den Auswirkungen einer zunehmenden Liberalisierung ausgesetzt. Diese geht einher mit einer schrittweisen Aufweichung ihrer Rechte, einem Rückgang von Gewerkschaftsaktivitäten und fehlenden Beschäftigungsalternativen.

Ergänzt wird die Studie durch unsere Empfehlungen an die indische Schuh- und Lederindustrie, an die indische Regierung und an die EU-Mitgliedstaaten, damit sich die unhaltbare Situation verbessert.

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Jetzt bewerben: Aktionspreis SPITZE NADEL 2017

Der Aktionspreis gegen die dunkle Seite der Modeindustrie geht in die zweite Runde: Nach einer erfolgreichen Premiere mit zahlreichen Bewerbungen und drei tollen PreisträgerInnen 2016 loben INKOTA und cum ratione den mit 10.000 Euro dotierten Aktionspreis SPITZE NADEL erneut aus. Zum zweiten Mal möchten wir damit besonders wirksame Aktionen würdigen, die auf die Missstände in der Textil-, Schuh- und Lederindustrie aufmerksam machen und sich für die Wahrung der Menschenrechte bei der Arbeit stark machen.

Ereignisse wie Rana Plaza, Tazreen und Ali Enterprises sollen sich nicht wiederholen. Doch es bedarf noch sehr vieler Veränderungen, bevor das globale Geschäft "Fashion" ein sauberes wird. Aktionen, die im Zeitraum vom 1. März 2016 bis 30. April 2017 stattgefunden haben, können eingereicht werden.

Veranstaltungen & Aktionen

28. August bis 31. Dezember: Roll-Up Ausstellung Make Chocolate Fair! Ökohaus Rostock, Hermannstraße 36, 18055 RostockErfahren Sie mehr
7. November, 18:00 bis 20:00 Uhr: Change Your Shoes Zeugen-Reise mit einem Schuhfabrik-Arbeiter und einer Menschenrechtsaktivistin aus Indien. ver.di-Bundesverwaltung, Raum Nabucco, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin
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10. November, 10:30 bis 15:00 Uhr: Change Your Shoes Zeugen-Reise mit einem Schuhfabrik-Arbeiter und einer Menschenrechtsaktivistin aus Indien. Jugendgästehaus Adolph Kolping, Silberstr. 24-26, Dortmund
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11. November, 20 Uhr: INKOTA zu Gast bei der Improtheater-Show Social Heroes' Stage der Gruppe Improbanden. Lagari, Pflügerstr. 19, Berlin-Neukölln Erfahren Sie mehr
18. bis 30. November: Recht auf Rohstoff? Recht auf Leben! Veranstaltungsreihe in Dresden
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18. November, 19:30 Uhr: Lesung mit anschließender Diskussion: Der Geschenkte Planet von Heike Holdinghausen (taz) und Armin Reller. Café Tanteleuk, Louisenstraße 24, 01099 Dresden
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22. November, 19:30 Uhr: Filmvorführung mit anschließendem Gespräch: Blood in the Mobile (Dänemark 2010, 82 Min.). Kino im Dach, Schandauer Str. 64, 01277 Dresden
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23. November, 19:00 Uhr: Ökozid im Nigerdelta - Ein Gespräch über Fluchtursachen mit Peter Donauts. Kulturhaus Loschwitz, Friedrich-Wieck-Str. 6, 01326 Dresden
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25. November, 17:00 bis 20:00 Uhr: Trafohalle Workshop Reduce-Reuse-Rethink! Kreative Botschaften im öffentlichen Raum. Stiftung Weiterdenken, Wettinger Platz 9,  01067 Dresden
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25. bis 27. November: „Harte Hand“ gegen Gewalt. Gibt es eine Alternative für El Salvador? El-Salvador-Solidaritätstreffen im Haus der Jugend, Deutschherrnufer 12, 60594 Frankfurt
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25. November bis 9. Dezember: Süß & Bitter Ausstellung im Tübinger Rathaus, Am Markt 1, 72070 Tübingen.
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30. November, 19:30 Uhr: Filmvorführung mit anschließendem Gespräch: Miners shot down (Südafrika 2014, 85 Min.). Programmkino Ost, Schandauer Str. 73, 01277 DresdenErfahren Sie mehr

Publikationen & Materialien

Publikationen

Südlink 177: Ernährungssouveränität: Für eine Landwirtschaft mit Zukunft
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INKOTA-Dossier 18 - Ernährungssouveränität: Für eine Landwirtschaft mit ZukunftErfahren Sie mehr
Broschüre: Besser anders, anders besser - Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten
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INKOTA-Hintergrund: Ernährungssouveräne Landwirtschaft. Beispiele aus Mosambik
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Positionspapier: Klimasmarte Landwirtschaft – nein Danke!
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SatthabenBildungsmaterialien zum Thema globalisierte Landwirtschaft
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Leitfaden: Der Politische Suppentopf – Ein Leitfaden zum Selbermachen
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Handbuch: Unser Essen mitgestalten! Ein Handbuch zum Ernährungsrat
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Studie/Factsheet: Auf der Stelle (ge)treten - Arbeitsrechtsverletzungen in der indischen Leder- und Schuhindustrie
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Factsheet: Blut im Schuh: Was Politik und Unternehmen für eine faire und umweltfreundliche Schuh- und Lederproduktion ändern müssen
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Studie: Markenfirmen unter der Lupe Unternehmensbewertung globale Schuhersteller
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Studie/Factsheet: Harte Arbeit für wenig Geld - Die Arbeitsbedingungen in Europas Schuhproduktion in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Polen, Rumänien und der Slowakei
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Toxin Test: Gift im Schuh? Lederschuhe im Test auf hochgiftiges Chrom VIErfahren Sie mehr
Infoblatt: Zertifizierte Schokolade – Was steckt hinter den Siegeln
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INKOTA-Infoblatt 14: Zukunftsfähige Rohstoffpolitik
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Südlink 176: Körper und Politik Einverleibte Macht und gelebte Widerstände
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Ausstellungen zum Ausleihen

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Jobs & Praktika

Job: Projektreferent/in Welternährung und globale Landwirtschaft (Bewerbungsfrist 4. Dezember)