25/04/2017

Tierleid oder Verantwortung




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Lieber Manfred Paukstadt,
 


das Schinkenbrot zum Frühstück, mittags eine schnelle Currywurst und abends gern ein Schnitzel: Durchschnittlich werden in Deutschland pro Kopf 60 Kilogramm Fleisch im Jahr gegessen, fast zwei Drittel davon ist Schweinefleisch -  das ist zu viel!

Zu viel für unsere Gesundheit:  Zu hoher Fleischkonsum kann zu Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht, Rheuma und bestimmten Krebsarten beitragen. Zudem werden in der Tiermast viele Antibiotika eingesetzt, was eine Ausbreitung multiresistenter Keime zur Folge hat.

Zu viel für die Umwelt: Industrielle Landwirtschaft und Fleischproduktion beschleunigen Klimawandel und Artensterben und verunreinigen unsere Böden und Gewässer.

Zu viel für die Landwirte: Industrielle Produzenten mästen immer mehr Tiere in immer größeren Ställen, der Handel drückt die Preise, die kleineren Höfe bleiben auf der Strecke.

Viel zu viel Leid für die Tiere: Gehalten auf engstem Raum, auf Betonböden, in Ställen ohne ausreichend Tageslicht und ohne Auslauf entwickeln die Tiere Verhaltensstörungen. Sie verletzen sich gegenseitig und leiden häufig unter Infektionskrankheiten. Mastschweinen schneidet man betäubungslos die Ringelschwänze ab, Ferkel werden ohne Betäubung kastriert. Die Tiere werden der Haltung angepasst, anstatt die Haltung den Bedürfnissen der Tiere anzupassen.

Vor allem Supermärkte und Discounter verkaufen das so produzierte Fleisch und betreiben dabei eine offensive Billigpreis-Politik. Ein Kilogramm Schweinehack gibt es bereits für 3,19€. Das ist viel zu wenig, um die Tierhaltung besser zu gestalten und den Landwirten faire Preise zu zahlen.

Mit dabei ist auch der Discounter Lidl. Zu Dumpingpreisen bietet Lidl frisches Fleisch an, das mit der Initiative Tierwohl beworben wird. Doch wo Tierwohl drauf steht, steckt oft Tierleid drin. Denn die Kriterien der Initiative unterscheiden sich nur unwesentlich von den gesetzlichen Mindeststandards unter denen die Tiere leiden.

Greenpeace ist der Meinung: Das grenzt an Verbrauchertäuschung. Zumal Lidl bereits zeigt, dass es auch anders geht. In Dänemark verkauft der Konzern Schweinefleisch aus besserer Haltung, produziert ohne Antibiotika und Gen-Futter. Wir wollen das Lidl transparent macht, woher das Fleisch kommt und wie die Tiere gehalten wurden, die der Discounter unter der Eigenmarke Landjunker bundesweit zu Spottpreisen anbietet.

Billiges Fleisch kommt uns und unsere Umwelt teuer zu stehen und verursacht Tierleid. Wir fordern Lidl auf, in Zukunft nur noch Fleisch aus tiergerechterer und umweltschonender Produktion anzubieten. Auf Fleischprodukten muss ersichtlich sein, welche Form von Tierhaltung und Fütterung sich dahinter verbirgt.

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Verbraucher immer kritischer
 


Aktivistin im Gespräch mit einer Lidl-Kundin vor einer Hamburger Filiale des Discounters.
Neunzig Prozent der Kundschaft von Lidl (und auch Aldi) unterstützen diese Forderung, indem sie sich von den Discountern Fleisch aus tiergerechterer Haltung wünschen. Dies zeigt eine von Greenpeace beauftragte Forsa-Umfrage. Außerdem sind 85 Prozent bereit, bis zu fünf Euro mehr pro Kilogramm Fleisch auszugeben, wenn die Tiere besser gehalten werden.

Die Aussagen der Umfrage bestätigen auch die Gespräche, die Greenpeace-Aktivistinnen Anfang April bundesweit vor Lidl-Filialen mit deren Kunden geführt haben. Viele Verbraucher sehen die Zustände in der Massentierhaltung durchaus kritisch und den Handel in der Pflicht. Ein Lidl-Kunde brachte es mit einer Frage an den Discounter auf den Punkt: „Warum nutzen Sie Ihre Marktmacht nicht, um als Vorreiter die Bedingungen positiv zu beeinflussen?“
 

Siegel-Ratgeber für Schweinefleisch veröffentlicht

Die typische Frage an die Aktivisten lautete: Wie kann man als Verbraucher die Haltungsbedingungen hinter dem Kotelett erkennen? Denn neben dem Logo der Initiative Tierwohl gibt es noch weitere sogenannte Gütesiegel. Um diese Frage beantworten zu können, haben wir die vorhandenen Siegel für Schweinefleisch unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse unserer Recherche können Sie als Greenpeace Siegel-Ratgeber für Schweinefleisch kostenlos bei uns bestellen – rufen Sie uns an unter 040-30618120 oder laden Sie sich den Siegel-Check hier als PDF herunter.

Interessierte und kritische Verbraucherinnen sind wichtig! Aber solange der Handel weiter Fleisch aus qualvoller Tierhaltung zu Niedrigpreisen auf den Markt wirft und dies nicht kennzeichnet, wird er leider auch Abnehmer dafür finden. Dafür müssen Millionen von Tieren leiden. Hier in Deutschland. In diesem Moment. Wir müssen endlich etwas tun:
 

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und viele Grüße aus Hamburg

Christiane Huxdorff
Expertin für Nachhaltige Landwirtschaft
Greenpeace e.V.
 

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© Bente Stachowske / Greenpeace
Christiane Huxdorff,
Expertin für Nachhaltige Landwirtschaft,
Greenpeace e.V.





























 



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