"Es ist ein einmaliges Dokument des Versagens." Klage wegen Nitrat-Belastung in Deutschland: https://t.co/NPcCjkwb4k #Nitrat #Boden— PROVIEH - VgtM e.V. (@PROVIEH_VgtM) November 7, 2016
Die EU hat Deutschland wegen der
steigenden Nitratbelastung des Grundwassers und jahrelanger Untätigkeit
bei dessen Schutz verklagt. Die Klageschrift hat es in sich. Nicht nur
Bauern müssen massive Folgen fürchten.
Von Jürgen Döschner, WDR
Es ist ein einmaliges Dokument des Versagens. Auf
rund 40 Seiten Anklageschrift - belegt mit 1500 Seiten
Dokumenten-Anhang - rechnet die EU-Kommission mit der Umwelt- und
Agrarpolitik der Bundesrepublik ab. Seit Jahren steigt in vielen
Regionen Deutschlands die Belastung des Grundwassers mit Nitrat.
Hauptursache ist die Landwirtschaft, die Überdüngung mit Gülle und Mist.
Das ist ein klarer Verstoß gegen die seit 1991 geltende
EU-Nitratrichtlinie.
Die Klageschrift zeichnet akribisch nach, wie
Deutschland seit Jahren das Problem ignoriert und die EU-Kommission
hingehalten hat. Zum Beispiel werde zugelassen, dass wesentlich mehr
Dünger auf die Äcker gebracht werde, als die Pflanzen überhaupt
aufnehmen könnten, so ein zentraler Vorwurf der Kommission. Auch die
gesetzlichen Düngepausen von maximal drei Monaten seien viel zu kurz,
heißt es in der Klageschrift. Stand der Wissenschaft seien fünf bis
sieben Monate.
https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-228977.html
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Seit Jahren habe Deutschland das Problem ignoriert. Spätestens 2012 hätten Bund und Länder die
Vorschriften zum Schutz der Gewässer vor zu viel Nitrat
aus der
Landwirtschaft verschärfen müssen, zitiert der Sender aus der
Klageschrift. Denn schon damals hätten die von Berlin vorgelegten Daten
bewiesen, dass die geltenden Regelungen unwirksam seien. Stattdessen
habe Deutschland die EU immer wieder unter Verweisen auf Reformen
hingehalten, Ausnahmen gewährt und wissenschaftliche Erkenntnisse
ignoriert. Schärfere Regelungen seien vor allem am Widerstand des
Landwirtschaftsministeriums gescheitert.
Die
Wasserqualität habe sich zudem über Jahre hinweg nicht verbessert,
sondern tendenziell sogar verschlechtert. Einem älteren Bericht des WDR
zufolge, werden die Grenzwerte der Nitratbelastung im Grundwasser
bereits auf einem Drittel der Fläche der Bundesrepublik überschritten.
Die entsprechende
EU-Richtlinie schreibe für diesen Fall jedoch zwingend vor, dass die
betroffenen Staaten ihre Maßnahmen verschärfen müssen.
Im Fall
einer Verurteilung muss Deutschland mit einer Geldstrafe rechnen. Die
Höhe richtet sich nach der Dauer und Schwere des Verstoßes sowie der
Zahlungsfähigkeit des betreffenden Staates. Gegen Deutschland sind
Strafen in sechsstelliger Höhe pro Tag möglich. Mit einer Klage gegen
Frankreich hatte die EU zuvor Erfolg gehabt: Der Klage wurde vor dem
Europäischen Gerichtshof stattgegeben. Derzeit wird über das mögliche
Strafmaß verhandelt. Diskutiert wird dabei über eine Geldstrafe von bis
zu drei Milliarden Euro.
-Quelle Zeit online-