22/03/2021

Lockdown und Ausgangssperre: So geht es jetzt weiter
t-online tagesanbruch
Wir können auch anders

 Das ist die Lage, wenn sich die Kanzlerin heute wieder mit den Ministerpräsidenten zum Corona-Gipfel zusammenschaltet. Und wie üblich haben die Teilnehmer ihre Forderungen vorher in den Medien platziert. Markus Söder (CSU) verlangt eine "einheitliche harte Notbremse", denn "wenn wir die Inzidenz ignorieren, ist es eine Frage der Zeit, bis die Situation schlechter wird." Olaf Scholz (SPD) ruft dazu auf, über Ostern auf Reisen zu verzichten; die SPD-geführten Bundesländer wollen den Bürgern aber "kontaktarmen Urlaub" im eigenen Bundesland gestatten. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) geißelt die Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca als "schweren Fehler" und will sie schnellstens kassieren. Sachsens Landeschef Michael Kretschmer (CDU) hält nichts von einer sofortigen Notbremse und will stattdessen in Schulen, Theatern und Fitnesscentern systematisch testen. Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meininger hingegen meint, dass die Schulen bald wieder in den Distanzunterricht zurückkehren müssen – zu wenig Tests, zu wenig geimpfte Lehrer. Und Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) verlangt, neben dem Inzidenzwert immer auch die Impfquote und die Zahl der freien Intensivbetten zu berücksichtigen.

Wer könnte in so einem Gremium sitzen? Neben Virologen und Epidemiologen auch Ökonomen und Soziologen. Vor allem aber: Praktiker. Leute, die Erfahrung im Management haben. Die besten Logistiker der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks. Kommunikationsexperten aus der Medienbranche. Eine Auswahl von Topmanagern deutscher Unternehmen. Zum Beispiel VW-Entwicklungschef Thomas Ulbrich, der in einem Bootcamp mit Tausenden Ingenieuren und Programmierern die Entwicklung des Elektro-Golfs gerettet hat. Oder Roland Busch, der Siemens konsequent durchdigitalisiert. Oder BASF-Boss Martin Brudermüller, der seinen Konzern mit einem smarten Prozesssimulator durch die Corona-Krise steuert. Oder Anja-Isabel Dotzenrath, die gemeinsam mit Markus Krebber den Energieriesen RWE umkrempelt. Oder Dominik Richter, der den Essenslieferdienst Hello Fresh hochgezogen hat und vielleicht auch Corona-Tests ausliefern könnte. Sie alle und noch viele weitere Firmenlenker haben große Erfahrung im pragmatischen Management, sie haben unkonventionelle Ideen, sie sind bestens vernetzt, sie könnten vielleicht helfen, würden sie gefragt. Entscheiden müssen die demokratisch legitimierten Regierenden, aber unterstützen könnten sie viele kluge Köpfe aus der Wirtschaft. Eine Weltkrise lässt sich nur bewältigen, indem die gesamte Gesellschaft ihre Kräfte bündelt.