Der Krisenschlamassel wird wohl deutlich länger dauern: Das ist die
Botschaft der vergangenen Stunden. Noch mehr Infektionen, noch mehr Kranke, noch
längerer Lockdown. Ein dumpfes Gefühl der Hilflosigkeit macht sich breit. So
ähnlich müssen sich die Menschen im Mittelalter gefühlt haben, wenn wieder
einmal eine Seuche über sie kam: Diese Gedanken gingen mir gestern am frühen
Abend im Kopf herum, noch vor Frau Merkels Pressekonferenz. Da wandern die
Mundwinkel schon mal südwärts. Ich gab also vermutlich keinen allzu schönen
Anblick ab, als ich das Büro verließ und mich auf den nächstbesten Roller
schwang. Flitzte links und rechts zwischen den Autos hindurch, ließ mir den Wind
durch das ebenfalls kriselnde Haupthaar wehen, bog um eine Ecke – und da war
sie: die warme, goldene, so lang vermisste Abendsonne. Schien mir direkt
ins Gesicht, hellte mein Gemüt auf, schob die Mundwinkel nach oben und flüsterte
mir leise ins Ohr: Bedenke, das Leben ist wundervoll, trotz allem!