21/12/2020

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) will Bienengifte wieder erlauben

 

Hallo Manfred Paukstadt,

vor einigen Tagen habe ich Ihnen geschrieben – denn Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) will Bienengifte wieder erlauben, die eigentlich längst verboten sind. Wir haben einen Eil-Appell dagegen gestartet, den bereits mehr als 350.000 Menschen unterzeichnet haben. Lassen Sie uns jetzt die 500.000 schaffen!

Die Mail mit allen Infos habe ich Ihnen noch einmal angehängt.

Herzliche Grüße
Friederike Gravenhorst, Campaignerin

 
 

Hallo Manfred Paukstadt,

es ist ein giftiges Geschenk, das zwischen Bescherung, Lockdown und Feiertagsplanung unbemerkt bleiben könnte: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will gefährliche Bienenkiller – sogenannte Neonicotinoide – noch vor Weihnachten wieder erlauben.[1] Sie gehören zu den gefährlichsten Giften in der Landwirtschaft: Schon kleinste Mengen können Insekten lähmen oder sogar töten.[2]

Dabei waren wir schon einmal viel weiter: 2018 hat die EU die Bienengifte verboten – der öffentliche Protest war zu groß. Zehntausende Menschen sind bei den „Wir haben es satt!“-Demos in Berlin auf die Straße gegangen; Campact hat Klöckners öffentliche Auftritte immer wieder mit Protesten begleitet.[2][3] Das Verbot der EU will die Agrarministerin jetzt mit einer zeitlich befristeten Ausnahmegenehmigung umgehen.[1] Ihr leises Verfahren droht, unseren Erfolg zu zerstören – und im Corona-Lärm unterzugehen.

Um das zu verhindern, starten wir einen Eil-Appell: Damit bescheren wir Klöckner eine Öffentlichkeit, die sie nicht gebrauchen kann. Sobald wir 100.000 Unterzeichner*innen sind, machen wir der Ministerin ein Geschenk der anderen Art. Wir überreichen ihr die Unterschriften hübsch verpackt – natürlich noch vor Weihnachten. Wenn Sie heute noch mitmachen, kommt auch Ihr Protest bei Julia Klöckner an, Manfred Paukstadt. Unterzeichnen Sie jetzt für die Bienen.

2008 trat das Horror-Szenario bereits ein: In Baden-Württemberg gab es ein massives Bienensterben – die Ursache waren Maissamen, behandelt mit einem Neonicotinoid.[4] Das perfide: Das Gift wird am Samen angebracht, breitet sich dann über die Erde aus – und schadet so den Bienen.[5] Honigbienen verlieren die Orientierung, können ihren Bienenstock nicht wiederfinden und sind ohne ihr Volk verloren.[6] Wildbienenarten bauen aus dem vergifteten Boden ihre Nester – und sind dem Nervengift dauerhaft ausgesetzt.[5]

Nun soll das Bienengift auf vielen Zuckerrübenfeldern wieder zum Einsatz kommen – denn hier grassiert derzeit ein Vergilbungsvirus.[1] Der Plan der Agrarindustrie: Sie will die Zuckerrübensamen für das Frühjahr mit dem eigentlich verbotenen Neonicotinoid Thiamethoxam ummanteln. Dabei gibt es Alternativen: Bio-Landwirt*innen können dank ihrer Fruchtfolge auch ohne Insektengifte Zuckerrüben anbauen.[7]

Für die Äcker in Nordrhein-Westfalen ist die Erlaubnis schon da: Hier dürfen im Frühjahr giftige Rübensamen gepflanzt werden.[8] Auch andere Bundesländer haben Anträge gestellt. Die EU prüft in den nächsten Monaten, ob Klöckners Ausnahmeregelung angemessen ist[9] – doch bis dahin dürfte das Gift zum Einsatz kommen. Noch sind die Bienen in der Winterruhe. Damit es für sie kein böses Erwachen gibt, muss Klöckner die Genehmigung für Nordrhein-Westfalen wieder zurückziehen – und darf keine weitere Ausnahmen zulassen. Unterzeichnen Sie jetzt.

Herzliche Grüße
Friederike Gravenhorst, Campaignerin

PS: Schon im Januar soll die Produktion der vergifteten Zuckerrübensamen beginnen – damit sie danach möglichst schnell zum Einsatz kommen können. Darum will Julia Klöckner die Bienenkiller schon in den nächsten Tagen erlauben. Deshalb müssen auch wir jetzt schnell sein: Unterzeichnen Sie am besten noch heute – für mehr Bienenschutz.

[1]„Notfallzulassung für Neonicotinoide noch in diesem Jahr?“, agrarheute.com, 1. Dezember 2020

[2]„EU-Staaten verbieten schädliche Neonicotinoide“, Süddeutsche Zeitung, 27. April 2018

[3]„'Essen ist politisch' 33.000 fordern mehr Tempo bei Agrar- und Ernährungswende“, Pressemitteilung von Wir haben es satt!, 20. Januar 2018, eingesehen am 15. Dezember 2020

[4]„Abschlussbericht Beizung und Bienenschäden“, Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum Baden Württemberg, 17. Dezember 2008, eingesehen am 15. Dezember 2020

[5]„Neonicotinoide: Gefahr im Boden“, scinexx.de, 28. August 2019

[6]„EFSA: Bienen in Gefahr durch Neonicotinoide“, Deutsche Welle Online, 28. Februar 2018

[7]„Löcherige Pestizidverbote“, taz Online, 14. Dezember 2020

[8]„BVL erlaubt Neonikotinoid für Rüben in NRW“, topagrar online, 14. Dezember 2020

[9]„EFSA kündigt Prüfung der Notfallzulassungen für Neonikotinoide an“, top agrar online, 14. Dezember 2020