Im Zuge der Lockerungen der Corona-Maßnahmen werden auch die Schulen in einigen Bundesländern wieder schrittweise geöffnet. Auch Kitas sollen wieder zugänglich sein. Schritte, die Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast nun deutlich kritisiert – und vor Leichtsinn warnt. Auslöser: Die Vorveröffentlichung einer Studie aus Nordfrankreich. "Das sind Zahlen, wenn das in Schulen passiert, dann darf man Schulen nicht öffnen. Da infizieren sich ja wirklich im Mittel über 40 Prozent", sagt der Wissenschaftler der Berliner Charité.
Merkel offenbar offen für weitere Lockerungen
17:15 Uhr
Der Kampf gegen die Corona-Pandemie hat sich nach
den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in den vergangenen
Tagen sehr gut entwickelt. Deshalb könne man nun über weitere
Lockerungen sprechen, sagte Merkel heute in der Sitzung der
Unionsfraktion, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Teilnehmerkreisen
erfuhr. Die Debatte über Öffnungen habe eine große Eigendynamik
bekommen. Merkel machte demnach deutlich: Wenn sich in einer Region ein
Infektionsgeschehen zeige, seien dort lokal Maßnahmen zu ergreifen,
damit nicht wieder das ganze Bundesgebiet in Mitleidenschaft gezogen
werde.
Das sei auch vor dem Hintergrund wichtig, dass
demnächst Lockerungen bei den Hotels und Gaststätten anstünden. Denn
dann komme es wieder zu Reisen in Deutschland und die Gefahr von neuem
Infektionsgeschehen nehme zu. Wichtig sei deshalb unter anderem, dass
die Kontaktverfolgung weiterhin funktioniere und ausreichend
Intensivbetten zur Verfügung stünden. Es gebe verständlicherweise eine
sehr große Ungeduld bei den Lockerungen. Besonders sensibel sei das bei
den Schulöffnungen, in der Gastronomie und bei den Hotels. Man sei
weiterhin in einer fragilen Situation.
Fraktionschef von Union, SPD und Grünen kritisieren Lockerungen der Länder
16:13 Uhr
Die Fraktionschefs von CDU/CSU, SPD und Grünen im
Bundestag haben das uneinheitliche Vorgehen der Bundesländer bei der
Lockerung von Corona-Auflagen scharf kritisiert. Es sei für die
"Bevölkerung in diesem Land mittlerweile nur noch schwer verständlich,
dass wir da so eine große Unterschiedlichkeit drinhaben", sagte
Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU). Vor den
Bund-Länder-Beratungen morgen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU)
appellierte Brinkhaus an alle Ministerpräsidenten, "dass sie eine
einheitliche Linie fahren". Er stelle sich mittlerweile die Frage, was
die Rolle von Ministerpräsidentenkonferenzen sei, "wenn dann doch
irgendwo alles vorher oder nachher oder anders oder schneller oder
langsamer entschieden wird." Auch SPD-Fraktionschef Mützenich verlangte
ein abgestimmtes Vorgehen. Ein einheitlicheres Vorgehen sei "dringend
notwendig, weil die Bevölkerung auch klare Ansagen braucht". Gegen
weitere Alleingänge wandte sich auch Grünen-Fraktionschefin Katrin
Göring-Eckardt. Sie habe nichts gegen regionale Lösungen, wo es
regionale Unterschiede gebe, doch müsse dies auch nachvollziehbar sein.
"Es muss gemeinsame Kriterien geben."
Bremen warnte ebenfalls vor einem
"Geschwindigkeits- und Überbietungswettbewerb" der Bundesländer und
Ministerpräsidenten. Es sei jetzt wichtig, koordiniert vorzugehen und
dabei einen kühlen Kopf zu bewahren, sagte Bürgermeister Andreas
Bovenschulte (SPD). Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael
Müller (SPD) sieht die Lockerungen der Coronaregeln in einigen
Bundesländern kritisch. Die Pandemie sei noch nicht überwunden, sagte
er. "Deswegen sehe ich mit Sorge, was da passiert."
