— paukstadt (@paukstadt) February 7, 2020Diese Kolumne, um das gleich zu Anfang klarzustellen, wird sich keinen Deut Mühe geben, sich auch nur im Ansatz feinfühlig weder hinter die deutschen Bauern zu stellen noch hinter ihre Politik. Das zuständige Haus hieß mal "Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft", dann wieder "Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz" und heißt nun "Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft". Bauernministerium oder einfach Gummistiefellobby wären etwas präziser und treffender. Abgesehen davon, dass das, was deutsche Bauern auf den Feldern und Äckern betreiben, mit Landwirtschaft im klassischen Sinne gar nichts mehr zu tun hat. Es handelt sich um eine stinknormale Industrie, die technisch mit jedem anderen Industriezweig vergleichbar ist.
Beispiellose Preiskämpfe
Es gibt keinen Weltmarkt, der deutsche Bauern in die Knie zwingt, sondern es handelt sich um ein System, in dem Bauern mitmachen und die eigene Misere mitverantworten. Die Agrarindustrie ist ein Geschäft, das über Masse läuft und sich über Lohndumping finanziert. Außerdem ist es ein Business, egal, ob dabei mit Milch, Fleisch oder Getreide gehandelt wird, das so funktioniert: je mehr, je größer, desto mehr Agrar-Subventionen. Die Subventionen waren nie abhängig davon, wie freundlich man zu Tieren und zur Umwelt war, sondern sie bemessen sich an der Größe der Äcker, der Maschinen, der Betriebe und so weiter.
So eine Dynamik führt langfristig natürlich zu einem
Kollaps. Der sinkende Milchpreis hat nichts damit zu tun, dass Lidl oder
Lidlkäufer ihre Milch nicht wertschätzen, sondern dass zu viel Milch auf dem
Markt ist. In einem gesunden Markt würde nur so viel Milch produziert, wie die
Menschen in der Umgebung des Bauern an Käse, Joghurt und Milch benötigen. Überproduktion
führt zu einem beispiellosen Preiskampf (mit der Nebenwirkung, dass
überschüssige Lebensmittel vernichtet werden). Nach Jahrzehnten des
Kapitalismus sollte man es eigentlich langsam kapiert haben.
Das Zuviel beeinflusst nicht nur den Preis vor Ort, sondern
hat auch Auswirkungen auf den Milchpreis woanders, im Ausland, wo es keine
staatlichen und europäischen Geldtöpfe gibt. Wenn sogar der Sprecher des
Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter Hans Foldenauer vor seinen eigenen Mitgliedern
warnt ("Man muss die globalen Märkte vor uns
schützen"), wird das Ausmaß der desaströsen Situation auf beeindruckende
Weise illustriert. Das alles hat mit dem Konsumenten erst mal gar nichts zu tun.
