Der Rückgang der Bauernhöfe und der Rückgang der Braunkehlchen haben eine gemeinsame Ursache Kommentar: Warum eine Allianz von Landwirten und Naturschützern überfällig ist
Die
deutschen Landwirte haben allen Grund, besorgt zu sein. Vor 30 Jahren
gab es in Deutschland 629.000 Bauernhöfe, heute sind es nur noch
266.000. Im selben Zeitraum ist der Preisdruck auf die, die
weitermachen, stark gestiegen. Sie sollen Lebensmittel nach hohen
Standards erzeugen, aber kosten dürfen sie fast nichts. Zudem stehen
Bauern im Kreuzfeuer pauschaler öffentlicher Kritik, so als ob es jedem
Landwirte eine Freude wäre, die Böden zu überdüngen und dem letzten
Rebhuhn den Garaus zu machen. Viele Bauernfamilien fürchten, dass auch
wegen dieses schlechten Image keines der Kinder bereit sein wird, den
Hof zu übernehmen und fortzuführen.
Das sind legitime Sorgen, die
nicht nur die Bauern selbst, sondern die breite Bevölkerung umtreiben
sollten. Landwirte erzeugen unsere Lebensmittel und prägen unsere
Landschaft – damit sind sie einer der wichtigsten Berufsstände
überhaupt.
Doch so legitim die Sorgen sind, so falsch sind Forderungen, die am
Dienstag bei der vielbeachteten Traktordemonstration in Berlin erhoben
wurden. Auch dort wurde ein pauschales Feindbild gepflegt: Nixblickende
„links-grüne“ Großstädter mit einem vernebelt-romantisiertem Bild vom
Land wollen den Bauern mit mehr Auflagen beim Natur- und Klimaschutz den
Garaus machen.