Die EU hat mit ihrer Kritik völlig recht. Die Große Koalition gaukelt aus inneren Angstreflexen den Wählern seit 2013 eine wirtschaftliche Wohlfühloase vor. Anstatt Konflikte zu lösen, hat die Politik ihre Probleme seitdem mit Geld zugeschüttet: Erst waren es die Flüchtlingskrise und die Angst vor aufkommendem Populismus, dann der Zwang, erneut eine Große Koalition zu schmieden, und die Angst vor dem Ende der Volksparteien und schließlich die Coronakrise und die Angst vor einem kleinen Volksaufstand.
Das Verabreichen dieser Beruhigungspillen wäre auch hinnehmbar gewesen, wenn die Koalition daneben einige strukturelle Reformen angeschoben hätte.
Doch abgesehen vom Kohleausstieg hat sich die Koalition bisher an nichts herangewagt. Wirtschaftlich werden die Jahre der Großen Koalition trotz des langen Aufschwungs als verlorene in die Geschichtsbücher eingehen. Im härter werdenden globalen Kampf um Wohlstand hat sie der nächsten Generation nicht den Boden bereitet, sondern Mühlsteine umgelegt