https://www.g-f-v.org/node/1358
Mit Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass erneut die Stimmen erstarken,
die als Strategie der Pandemiebekämpfung auf die natürliche
Durchseuchung großer Bevölkerungsteile mit dem Ziel der Herdenimmunität
setzen. So plädieren die UnterzeichnerInnen der sogenannten Great Barrington Declaration9
für die sofortige Aufhebung aller Beschränkungen des öffentlichen und
privaten Lebens, einschließlich aller Abstandsregeln und der
Maskenpflicht. Um Morbidität und Mortalität in den vulnerablen Gruppen
(Ältere, Vorerkrankte) abzumildern, schlägt die Declaration
besondere Schutzmaßnahmen für diese Personen vor bis hin zur
Quasi-Isolierung („Menschen im Ruhestand, die zu Hause wohnen, sollten
sich Lebensmittel und andere wichtige Dinge nach Hause liefern lassen“).
Wir
lehnen diese Strategie entschieden ab, obwohl wir selbstverständlich
die enorme Belastung der Bevölkerung durch die einschneidenden
Eindämmungsmaßnahmen anerkennen. Auch die Gesundheitsversorgung in
anderen, nicht mit Covid-19 assoziierten Bereichen, leidet unter den
Einschränkungen, die zur Abmilderung der Pandemie verhängt wurden10,11.
Dennoch sind wir überzeugt, dass die Schäden, die uns im Falle einer
unkontrollierten Durchseuchung unmittelbar aber auch mittelbar drohen,
diese Belastungen um ein Vielfaches überträfen und in eine humanitäre
und wirtschaftliche Katastrophe münden können. Mit dieser Einschätzung
sind wir nicht alleine: in einer Erklärung, die am 14. Oktober in der
medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde („John Snow Memorandum“)12, äußern zahlreiche internationale ExpertInnen ebensolche Bedenken und raten mit allem Nachdruck von der Verfolgung der in der Great Barrington Declaration propagierten Strategie der unkontrollierten Durchseuchung ab.
Der Vorstand der Gesellschaft für Virologie unter Beteiligung von:
Dr. Marco Binder, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
Prof. Dr. Melanie Brinkmann, Technische Universität Braunschweig und Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig
Prof. Dr. Christian Drosten, Charité, Universitätsmedizin Berlin
Prof. Dr. Isabella Eckerle, Universitätsklinikum Genf, Schweiz
Prof. Dr. Beate Sodeik, Medizinische Hochschule Hannover
Prof. Dr. Friedemann Weber, Justus-Liebig-Universität Gießen
